Samstag, 22.03.2013
Zehn Jahre anders und cool: Die Wanderausstellung der Jugendmigrationsdienste
Ein Jahrzehnt lang tourt die Wanderausstellung „anders? – cool!“ schon durch Deutschland. Die multimediale Schau des Servicebüros Jugendmigrationsdienste gewährt einen intensiven Einblick in die vielfältigen Lebenssituationen hier lebender Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Wie fühlt sich ein junger Mensch in Deutschland, welche Besonderheiten ergeben sich aus einem sogenannten „Migrationshintergrund“ und wie erleben Jugendliche die kulturelle Vielfalt in unserem Land? Diese und andere Fragen beantwortet die Wanderausstellung der Jugendmigrationsdienste (JMD) „anders? – cool!“, die seit bereits zehn Jahren durch ganz Deutschland tourt. Im Interview stellt Projektleiterin Eva Maria Bloch das Projekt vor und wagt einen Ausblick in die Zukunft.
Die Wanderausstellung „anders? – cool!“ freut sich im besten Sinne einer großen Beliebtheit.
Frau Bloch für die Menschen, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben: Machen Sie uns neugierig, was gibt es dort zu entdecken?
Zugewanderte Jugendliche leben aus sehr unterschiedlichen Gründen in Deutschland. Sie sind zu- oder nachgezogen, hier geboren, wurden vertrieben oder sind geflohen. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, sprechen verschiedene Sprachen und haben vielfältige Schul- oder Berufsausbildungen. All dies prägt das Leben Jugendlicher in Deutschland. Die multimediale Wanderausstellung „anders? – cool!“ zeigt das Thema Migration aus der Perspektive Jugendlicher. Hier werden Sorgen, Freuden und Hoffnungen junger Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen und Erfahrungen ausgetauscht.
Herkunft, Migrationsgründe, Sorgen und Hoffnungen im neuen Land, wie stellen Sie diese Themenvielfalt konkret dar?
Die Ausstellung zeigt zum einen große Tafeln mit Bildern und Texten, die Einblicke in das reale Leben von jungen Menschen mit Migrationshintergrund bieten. Hier erzählen die Jugendlichen selbst von Ihren Erlebnissen. Neben diesen persönlichen Einblicken sind auch die Unterstützungsangebote der Jugendmigrationsdienste beschrieben. Zum anderen binden wir interaktive und multimediale Elemente ein, die Jugendliche zum spielerischen Austausch mit dem Thema anhalten sollen. Wir bieten Musik aus unterschiedlichen Ländern und auf verschiedenen Sprachen, ein Quiz mit jugendgerechten Fragen zu den Themen Migration und Integration in Deutschland. Es gibt erzählte Lebensgeschichten von Einwanderern, Filme mit verschiedenen Schwerpunkten und ein computergestütztes Spiel, das Migrationswege aus der ganzen Welt nach Deutschland aufzeigt. Sehen, hören und selber aktiv werden ist das Ziel der Ausstellung.
Die Ausstellung „anders? – cool!“ hat pro Jahr bei rund 20 Ausstellungen annähernd 10.000 Besucherinnen und Besucher, davon sind 80-90 Prozent Jugendliche. Richtet sich die Ausstellung nur an Jugendliche? Wer sind Ihre weiteren Zielgruppen?
Nun, so vielfältig die Lebenssituationen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind, so vielfältig ist auch das Publikum, das sich die Ausstellung anschaut. Das sind Schüler und Schülerinnen, junge Menschen auf dem Weg ins Berufsleben, Lehrerinnen und Lehrer, Fachkräfte der Jugendsozialarbeit, Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger – mit und ohne Migrationshintergrund. Alle sind gleichsam angesprochen, auch wenn wir in unserer Ansprache die junge Generation besonders im Blick haben. Im besten Fall gelingt es uns, bei den Besuchenden ein „Aha-Erlebnis“ auszulösen, eine andere Sichtweise zu transportieren, in der Lokalpolitik zum Mit- und Umdenken anzuregen. Und das gelingt, denke ich, recht häufig!
Viele Termine für die Wanderausstellung stehen bereits bis weit in das kommende Jahr fest. Wie erfahre ich, wann und wo die Ausstellung zu sehen ist?
Alle anstehenden Termine finden Sie auf unserer Homepage www.anders-cool.de. Auch weist die Presse vor Ort auf die Ausstellung hin, die in der Regel zwei Wochen in einer Kommune zu Gast ist. Die Termine von Begleitveranstaltungen, wie Diskussionsrunden oder Filmvorführungen erfahren Sie ebenfalls über die Medien.
Wenn Institutionen oder Kommunen die Ausstellung buchen möchten, an wen wenden sich diese?
Interessenten können sich einfach an den Jugendmigrationsdienst in ihrer Nähe wenden. Dieser setzt sich dann mit uns im Servicebüro Jugendmigrationsdienste in Verbindung. Ganz einfach geht die JMD-Suche online über www.jugendmigrationsdienste.de! Alternativ stehe ich selbst Interessenten gerne als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Am besten schicken sie mir eine E-Mail an bloch(at)jugendmigrationsdienste(dot)de.
Ein Jahrzehnt lang tourt die Wanderausstellung nun durch Deutschland. Wo sehen Sie die Ausstellung nach weiteren zehn Jahren?
Im Jahr 2022 ist die Ausstellung vielleicht kein notwendiges Mittel mehr, um den Dialog zum Thema Jugendmigration zu stärken. Der junge Mensch mit seinen Erfahrungen, Ressourcen und Lebensumständen wird aber nach wie vor im Fokus stehen. Die Ziele, Menschen zueinander zu führen, Vielfalt als Normalität zu begreifen und Vorurteile abzubauen, sind dann hoffentlich erreicht. Das wäre eine Vision, die ich mir wünschen würde.
Frau Bloch, besten Dank für das Gespräch!
Alle Termine und aktuelle Informationen zur Wanderausstellung gibt es im Netz unter www.anders-cool.de.