Respekt Coaches lernen neue Methoden zur Arbeit mit Schülerinnen und Schülern kennen

Eine große Gruppe hört einem Fachvortrag zu
Respekt Coaches lernen neue Methoden zur Arbeit mit Schülerinnen und Schülern kennen

Zwei Mal im Jahr führt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Programm „Respekt CoachesWorkshops durch. Die Respekt Coaches erhalten die Möglichkeit, sich träger- und länderübergreifend auszutauschen und werden zu aktuellen Themen im Programm geschult. In den Workshops am 23. Oktober in Berlin und am 18. November in Frankfurt am Main ging es um extremistische Rekrutierungsstrategien und pädagogische Methoden in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern.

Expertinnen und Experten der Organisation Jugendschutz.net stellten einführend Rekrutierungs- und Propagandastrategien von Salafisten und Rechtsextremisten im Internet vor. Anhand von Beispielen zeigten sie auf, dass Extremistinnen und Extremisten oft gezielt an die Interessen junger Menschen anknüpfen, um ihre Ideologien zu verbreiten. Sie passen ihre Propagandastrategien der Mediennutzung und den Lebenswelten der Jugendlichen an. Über diesen Missbrauch beliebter Social-Media-Plattformen werden junge Menschen oft schrittweise über harmlos erscheinende Bilder an menschenfeindliche Ideologien herangeführt.

In sechs Workshops lernten die Teilnehmenden theater- und demokratiepädagogische sowie niedrigschwellige didaktische Methoden für ihre Arbeit an den Schulen kennen. Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit den Grundlagen für die Umsetzung von Gruppendiskussionen, reflektierten geschlechterspezifische Rollenbilder und diskutierten Herausforderungen und Vorgehensweisen an Berufsschulen. Die in allen Workshops vorgestellten Methoden bieten effektive Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren und Radikalisierung sowie Extremismus vorzubeugen:

Respekt Coaches tauschen sich in einem Workshop aus
Respekt Coaches tauschen sich in einem Workshop aus

Im theaterpädagogischen Workshop mit Creative Change e.V. lernten die Teilnehmenden Methoden kennen, um gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Konflikte spielerisch zu bearbeiten und zu lösen. Nach Vorbild des Forum Theaters, einer Methode im Theater der Unterdrückten von Augusto Boal, setzten sie eigene Rollenspiele um. Diese kreative Auseinandersetzung erleichtert den Zugang zu Themen wie Menschenrechte, Zivilcourage, Migration, Diskriminierung oder Demokratie.

Im Rahmen eines erfahrungsorientierten Trainings stellte die Referentin des Gustav-Stresemann-Instituts das demokratiebildende Programm Betzavta vor. Dieses wurde in der israelischen Friedenspädagogik entwickelt und bedeutet übersetzt „Miteinander“. Der Workshop machte Möglichkeiten und Herausforderungen von demokratischen Wegen der Konfliktbearbeitung und Entscheidungsfindung sichtbar: die Entwicklung eines qualitativen Demokratieverständnisses und einer Haltung der selbstverständlichen Wertschätzung.

Im Workshop Niedrigschwellige Methoden mit Referentinnen und Referenten von Arbeit und Leben e.V. lernten die Teilnehmenden didaktische Zugänge und praktische Methoden für ihre Arbeit mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Bildungs- und Erfahrungshintergründe kennen: Durch die Anpassung der pädagogischen Methoden an die Bedürfnisse und Erfahrungshintergründe einer Gruppe können Zugangsbarrieren abgebaut werden. Gemeinsam wurden Kennenlernspiele, Methoden zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Aktionen zur Toleranzförderung und Strategien zur Konfliktlösung reflektiert.

Im Workshop Rollenbilder wurde der Frage nach geschlechterreflektierter Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nachgegangen. Die Teilnehmenden setzten sich kritisch mit eigenen, familiären und gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen auseinander. Anhand verschiedener Übungen und einer Road-Map mit Reflexionsfragen wurden Ideen, Projekte und Methoden entwickelt, wie mit jungen Menschen gesellschaftliche und eigene Rollenerwartungen sowie Geschlechterstereotype kritisch reflektiert werden können.

Im Workshop Gruppendiskussionen brachte die Referentin der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke den Teilnehmenden Möglichkeiten bei, wie unterschiedliche Themen in Gruppen vor- und nachbereitet werden können. Es wurden Diskussionsformate und –methoden sowie Motivations- und Aktivierungsstrategien vorgestellt. Dabei wurde auf die Rolle der Gruppenleitung und auf den Umgang mit verschiedenen Charakteren in der Diskussion besonders eingegangen.

Mit den Herausforderungen und Vorgehensweisen eines Respekt Coaches an Berufsschulen beschäftigte sich der letzte Workshop - ebenfalls durchgeführt von Arbeit & Leben e.V.
Hier wurden Unterschiede zwischen Berufsschulen und Allgemeinbildenden Schulen herausgearbeitet, systematische Methoden der Erhebung von sowie mögliche Indikatoren für Präventionsbedarfe in Berufsschulen besprochen.

Mit präventiven Angeboten an bundesweit 190 Standorten stärkt das Programm Respekt Coaches junge Menschen als mündige, demokratisch gebildete Bürgerinnen und Bürger und hilft ihnen, sich gegen Hass und Ausgrenzung zur Wehr zu setzen. Auch das Aufzeigen von Lebensperspektiven durch eine sozialpädagogisch geschulte Begleitung am Übergang von der Schule in den Beruf ist ein wichtiger Bestandteil. Bisher wurden 40.000 Schülerinnen und Schüler bundesweit erreicht. Die Jugendmigrationsdienste setzen das Programm an den Schulen um. Es wird seit 2018 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert.