JUGEND STÄRKEN im Quartier – Mikroprojekte trotz Corona-Krise

Eine junge Frau übergibt einer anderen jungen Frau eine Nähmaschine
Übergabe einer Nähmaschine zur Anfertigung der Mundschutzmasken in Kronsberg, Region Hannover© Sönke Neuber, JUSTiQ

Mikroprojekte zur individuellen Kompetenzförderung und Aufwertung des Quartiers

In rund 100 der insgesamt 160 Vorhaben von JUGEND STÄRKEN im Quartier werden neben den Einzelfallhilfen auch so genannte Mikroprojekte umgesetzt. Durch die Arbeit in der Gruppe werden in den Mikroprojekten die sozialen Kompetenzen der Teilnehmenden gefördert und Mehrwerte für die benachteiligten Stadtviertel, in denen die Jugendlichen leben, geschaffen. Die jeweilige Ausgestaltung der Projekte orientiert sich an den Bedarfen vor Ort und den Wünschen der jungen Menschen. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Graffiti-, Musik- aber auch Gartenprojekte umgesetzt. In der derzeitigen Krisensituation mussten Mikroprojekte umstrukturiert und neu ins Leben gerufen werden.

Online-Filmtutorials in Cottbus

In Cottbus wurde das Mikroprojekt „Online Filmtutorial - Für Jugendliche in Quarantäne und Home Schooling“ ins Leben gerufen. Ziel des Mikroprojekts ist es, Filmideen zu entwickeln und diese, unterstützt durch Erik Schiesko, den Leiter des Mikroprojekts, umzusetzen. Die Themen für die Filmtutorials können ganz unterschiedlich sein, beispielsweise: „Wie vermeide ich den Lagerkoller?“ oder „Wie funktioniert Schule zu Hause?“. Die Filme sollen im Anschluss über die Sozialen Medien verbreitet werden und dazu dienen, einander Mut zu machen. Nachdem das erste digitale Treffen stattgefunden hat, sind die Teilnehmenden positiv gestimmt. Zwar seien persönliche Kontakte immer schöner, aber die Videokonferenzvariante funktioniere gut, so Julius, ein Teilnehmer des Projektes. Auch Annalena, eine andere Teilnehmerin, stimmt zu: „Das erste Tutorial hat sehr viel Spaß gemacht. Mit dem Schneideprogramm sind alle gut klar gekommen und erste kleine Aufgaben konnten schon gelöst werden“. Auch Schiesko ist positiv gestimmt: Die technischen Möglichkeiten bieten eine gute Alternative zum persönlichen Kontakt. Vorteilhaft sei dabei, dass immer nur eine Person sprechen könne und die Teilnehmenden sich gegenseitig nicht ins Wort fallen können, da man einander sonst nicht verstehe. Dies sei den Teilnehmenden zu Anfang zwar schwergefallen, sorge aber für eine ganz neue Form des Respekts untereinander.

Mundschutzmasken für das Quartier in Garbsen/Kronsberg

Auf dem Kronsberg in Garbsen der Region Hannover, wird das Mikroprojekt „Nähtreff Kronsberg“ auch in Corona-Zeiten durchgeführt. Das Mikroprojekt startete Anfang des Jahres und bringt junge Frauen mit Fluchthintergrund zusammen, um gemeinsam Startschwierigkeiten zu überwinden und handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen. Um das Mikroprojekt auch jetzt weiterführen zu können, hatten die am Mikroprojekt Beteiligten eine besondere Idee: Die Teilnehmerinnen des Mikroprojektes wurden von den Mitarbeitenden mit Nähmaschinen und allen erforderlichen Nähutensilien, einem Erklär-Video zur Herstellung von Mundschutzmasken und einer kleinen Aufmerksamkeit versorgt. Seitdem nähen die Teilnehmerinnen Masken für sich und andere Personen aus dem Quartier. Innerhalb kürzester Zeit stellten die jungen Frauen 70 Masken her, die an Institutionen und Privatpersonen im Quartier verteilt werden. Stephan Schwaak, Koordinator des Vorhabens der Region Hannover ist begeistert: Das Projekt liefe trotz der Corona-bedingten Anpassungen sehr gut, die beteiligten Akteurinnen seien enorm engagiert und die große Solidarität strahle weit ins Quartier hinein.

Selbstgemachte Kosmetik in Dormagen

Im Dormagener Mikroprojekt „Handmade“ erlernen die Teilnehmenden Shampoos, Seifen und Ähnliches herzustellen. Geplant war dieses Mikroprojekt als Präsenzprojekt, kurzfristig wurde nun auf Online-Tutorials umgestellt. Die benötigten Materialien wurden den Teilnehmenden vorher zur Verfügung gestellt und die Teilnehmenden dann via Videokonferenz angeleitet. Laura Rehmet, Mitarbeiterin der Diakonie Rhein-Kreis-Neuss  "Die Rübe" erklärte, dass die Onlinepräsenz bei den Jugendlichen gut ankomme und es erste positive Resonanzen in den sozialen Medien gebe. Allerdings gehe mit der Umstellung in die virtuelle Welt viel bisher unbekannte Arbeit einher. Das Schneiden von Videoclips sowie das Kennenlernen der einzelnen Plattformen seien nicht zu unterschätzen. Rehmet betont aber auch die schönen wechselseitigen Effekte, welche zwischen den Mitarbeitenden und den jungen Teilnehmenden entstehen. So können die Jugendlichen ihre Erfahrung und Fachkenntnis im Bereich soziale Medien und Videoarbeit einbringen und machten so eine tolle Selbstwirksamkeitserfahrung.

Über "JUGEND STÄRKEN im Quartier"

Mit "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündeln das Bundesjugendministerium und das Bundesinnenministerium erstmals Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) in einem gemeinsamen Programm. Der Bund beteiligt sich mit jährlich rund 24,8 Millionen Euro aus dem ESF und 1,1 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Dadurch wird die kommunale Jugendsozialarbeit vor Ort entscheidend gestärkt. Derzeit werden in 160 Kommunen Projekte umgesetzt.