Erfolgreich mit JUGEND STÄRKEN im Quartier

Foto: © VFBB e. V. Speyer

Foto: © VFBB e. V. Speyer Philipp im Speyerer Ausbildungsbetrieb im Gespräch mit der Projektmitarbeiterin des VFBB e. V.

Teilnehmer-Werdegang im Projekt JUGEND STÄRKEN im Quartier

„Wenn ich wusste, dass am nächsten Tag eine unangenehme Situation auf mich zukommt, habe ich einfach gefehlt oder mich krankschreiben lassen, um der Sache aus dem Weg zu gehen“, erklärt Philipp.

Jugendliche wie er sind mitten in ihrer Selbstfindung und auf dem Weg zum Erwachsenwerden oft zur falschen Zeit am falschen Ort. In der Pubertät können sie psychisch instabil und besonders empfänglich für Einflüsse aus ihrem persönlichen Umfeld sein – leider auch für die negativen. Meist haben sie nicht die nötige Reife, diesen selbstbewusst zu begegnen. Solche Erfahrungen haben Philipp in persönliche und gesundheitliche Krisen gestürzt – bis hin zum sozialen Rückzug und Bruch mit der Familie.

Auf seinen ersten beruflichen Schritten hatte er Verschiedenes ausprobiert: eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer und den Versuch, über Praktika den Zugang zur IT-Branche zu finden. Sein Berufswunsch: Fachinformatiker Systemintegration. „Aber ohne Abitur und gegebenenfalls einem Studium kommt man da nicht rein – das habe ich schnell gemerkt“, berichtet er. Nach einigen Irrwegen kam er zum Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (VFBB) nach Speyer und konnte als Teilnehmer beim  Projekt „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ aufgenommen werden. Aus der Coachingarbeit ging der Vorschlag hervor, die berufliche Orientierung auf den Bereich Elektronikhandel auszuweiten. Niemand konnte wissen, wie Philipp diese Tätigkeit meistern würde. „Es war ein Versuch“, berichtet der betreuende Pädagoge bei „JUGEND STÄRKEN im Quartier“. Er wohnt selbst langjährig in Speyer und kennt genauso lange den Betrieb. Zunächst hatte er den persönlichen Kontakt zu dem Geschäftsführer eines Ausbildungsbetriebes gesucht, bei ihm das Projekt vorgestellt und von Philipp als einem potentiellen Bewerber erzählt. Obwohl das in Speyer eingesessene Elektrofachgeschäft lange nicht mehr ausgebildet hatte, wollte der Geschäftsführer Philipp kennenlernen. „Die Chemie zwischen Chef und Bewerber hat sofort gestimmt. Es war Philipps Entscheidung, was er über sich erzählen wollte. Trotz anfänglicher Nervosität wurde er zunehmend ruhiger und konnte sich öffnen“, berichtet der betreuende Pädagoge. „Wenn das Gespräch schließlich zum Small Talk übergeht und man sich als Betreuer mehr und mehr zurückziehen kann, dann ist das ein gutes Zeichen. Und in Philipps Fall war das so“, erklärt er weiter. Bald darauf kam die Zusage zur Einstiegsqualifizierung. Seitdem konnte Philipp viel lernen und sich schließlich für eine anschließende Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann qualifizieren.

Was hat das Projekt gebracht?

Viele Schritte waren nötig, um Philipps Weg wieder in eine positive Richtung zu lenken. Während der Projektteilnahme hat sich seine gesundheitliche Situation merklich verbessert. Die letzten Schulbesuche lagen lange zurück, so dass er sich neu an den Berufsschulalltag gewöhnen musste –hier war die pädagogische Begleitung wichtig, um Fehlzeiten nach und nach zu reduzieren. Im begleitenden Stützunterricht wurde Gruppen- und Kommunikationsverhalten trainiert, was ihn auf Gesprächssituationen im Beruf vorbereitete und zunehmend sicherer werden ließ. 

Mittlerweile ist er in einem technischen Berufsfeld angekommen, das er immer gesucht hat. Hier kann er sein größtes Talent entfalten. Es ist genau das, was er gerne und deshalb auch gut macht. Sein Leben ist nicht ganz frei von Problemen, aber seine Technikleidenschaft und die damit verbundenen Erfolgserlebnisse überlagern alles andere positiv – so kann er immer besser damit umgehen. Vor allem auch das vertrauensvolle Arbeitsklima im Betrieb war es, das ihm ein gutes Gefühl vermittelte. „Ich wurde von allen warm aufgenommen“, berichtet der angehende Azubi.

Im Betrieb ist er im Bereich Unterhaltungselektronik eingesetzt – oder im Fachjargon „braune Ware“. Er beschäftigt sich mit neuen Geräten, berät Kunden und führt Verkaufsgespräche. Reparaturen oder Geräteauslieferungen stehen ebenso auf der Tagesordnung. Die Abwechslung der unterschiedlichen Aufgaben macht es für ihn besonders interessant. „Es wird nie langweilig“, erzählt der 25-Jährige. „Heute gehe ich gerne arbeiten, es macht einfach Spaß. Wenn ich private Probleme habe, dann habe ich die morgens nach 10 Minuten vergessen. Manchmal bin ich noch unsicher, aber ich merke selbst, dass die Kunden nur auf die Technik eines Geräts fixiert sind. Und dann sind sie einfach froh, dass jemand ihre Fragen beantworten kann. Die achten gar nicht auf mich als Person und das ist gut. Auf die Idee, in den Einzelhandel zu gehen wäre ich ohne das Projekt nie gekommen – ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal Kundengespräche führen werde. Ich bin angekommen – jetzt lerne ich genau das, was ich immer wollte.“