JMD Marburg bietet jungem Mann aus dem Irak eine Zukunft

Mudher überlebte einen Bombenanschlag und arbeitet mithilfe des JMD an seiner beruflichen Zukunft.

Vieles kommt anders, als man denkt. Manchmal musst Du hartnäckig an deinen Träumen arbeiten.

Das weiß auch Mudher.

Mit Anfang 20 kam er nach Marburg zum JMD und suchte Unterstützung in verschiedenen Bereichen. Der junge Mann im Rollstuhl war im Irak ein renommierter Journalist und Fernsehmoderator. Nach einer Parodie auf paramilitärische Einheiten, die sein Land überzogen, zog er grausame Aufmerksamkeit auf sich. Er geriet in einen Sprengstoffanschlag. Als die Bombe unter seinem Auto explodierte, verloren sein Bruder und die Schwägerin ihr Leben, er selbst wurde schwer an den Beinen verletzt. Es gelang ihm nach Deutschland zu kommen, wo er zunächst vor allem ärztliche Hilfe erhielt. Seither hat Mudher mehrere Operationen hinter sich gebracht, doch gehen wird er wohl nie wieder können.

Im JMD wurde Mudher in das Tandemprojekt vermittelt, wo er neue Kontakte knüpfen konnte, die ihm halfen, sich in Marburg besser zurechtzufinden. Besonders beim Erlernen der deutschen Sprache war ihm das Projekt eine große Hilfe.

Nach den Operationen und den damit zusammenhängenden Krankheiten kann sich Mudher nun auf seine berufliche Zukunft konzentrieren, wobei ihm die JMD Beraterin Verena Leowald zur Seite steht. Sie kennt sein Sprachtalent und die Begabung, auf Menschen zuzugehen. „Ich könnte ihn mir sehr, sehr gut als Pädagogen vorstellen“, sagt sie zwinkernd in seine Richtung. Er lächelt zurück, denn er weiß, sie könnte damit Recht haben. Doch auch ein Studium der Politik interessiert ihn sehr. „Vielleicht könnte die Tandem-Kooperation mit der Uni Marburg hier hilfreich sein“, überlegt er schmunzelnd.

Erfolgsmodell Tandem

Neben der schulischen und beruflichen Integration muss auch das Leben in Deutschland verstanden und organisiert werden. Deshalb hat der JMD gemeinsam mit der Freiwilligenagentur in Marburg ein System entwickelt, das sich als enormer Gewinn für die jungen Neuankömmlinge erweist. Seit 2012 läuft das Projekt Tandem bereits erfolgreich, in welchem einheimische Bürgerinnen und Bürger eine Art Patenschaft für einen jungen Geflüchteten übernehmen. Mindestens einmal wöchentlich treffen sich die Tandempartner, sie sprechen miteinander und unternehmen gemeinsam etwas. „Das Herzstück der Idee sind Begegnungen. Die Geflüchteten können durch den Kontakt zu ihren Paten das Leben in Marburg besser und schneller kennenlernen. Hierfür muss eine Vertrauensbasis hergestellt werden. Sie sollen sich verstanden und sicher fühlen“, erklärt Verena Leowald. Wichtigster Partner ist übrigens die Universität – und die Studierenden sind auch gern gesehene Paten, denn sie begegnen den oft gleichaltrigen jungen Flüchtlingen auf Augenhöhe.

Und alles bleibt anders

Die Aufgaben und die Zusammensetzung der Zielgruppen des JMD Marburg haben sich seit Beginn der Arbeit gewandelt. Mittlerweile suchen hauptsächlich junge Geflüchtete die Beratungsstelle auf. Und die Zahl der Beratungen stieg seit 2014 um bis zu 100 Prozent.

Zunächst waren es vor allem gut ausgebildete Flüchtlinge mit dem festen Ziel in der renommierten Universitätsstadt Marburg zu studieren, die den JMD aufsuchten. Die Hürden für einen Studienbeginn sind allerdings – vor allem in sprachlicher Hinsicht – enorm hoch. Unterstützung erhält der JMD hier von der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (www.bildungsberatung-gfh.de), bei der sich die jungen Menschen über Studienvoraussetzungen, Stipendien, Intensivsprachkurse bis zum Niveau C1 und Eignungstests informieren können. „Wir hatten eine relativ hohe Abbrecherquote schon im Vorfeld, nämlich in den Sprachkursen. In vielen Programmen gibt es oftmals nur eine Chance für die Prüfung an der Uni“, seufzt JMD Beraterin Verena Leowald.
Und so fokussiert sich die Arbeit auf junge Menschen, die trotz akademischer Vorbildung einen Ausbildungsberuf erlernen wollen. „Das bedeutet jetzt vor allem Unterstützung bei Bewerbungen und der Ausbildungssuche“, lächelt die JMD-Beraterin. 

Informationen zum JMD Marburg unter: www.jugendmigrationsdienste.de