Perspektive eines Geflüchteten

Bildnachweis: WJD/Thomas Immo

Bildnachweis: WJD/Thomas Immo

Die Wirtschaftsjunioren Deutschland e. V. wurden in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin einige Monate von Beslan Kabartai unterstützt. Beslan Kabartai ist im letzten Jahr aus Syrien nach Deutschland geflohen. In Syrien war er selbst als Unternehmer tätig und hat sich verschiedentlich ehrenamtlich engagiert. Im Rahmen des Projektes JUGEND STÄRKEN: 1000 Chancen, das die Wirtschaftsjunioren gemeinsam mit dem Bundesjugendministerium bundesweit umsetzen, unterstützen die jungen Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte junge Flüchtlinge bei der Berufsorientierung, stehen als Paten bereit und bieten Freizeitaktivitäten an.

Dass ich mein Heimatland Syrien und alles von dort, außer meine Träume und Fähigkeiten, hinter mir lassen würde, hätte ich mir nicht vorstellen können.

In Damaskus studierte ich in einem BWL-Masterprogramm. Zuvor arbeitete ich in verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen und einer IT-Firma. Meinen Traum, ein eigenes kleines Käse-Unternehmen aufzubauen, hatte ich nach einem knappen Jahr aufgeben müssen. Im Krieg war es nicht möglich, diesen Traum weiterzuverfolgen. Ich habe versucht ein rechtschaffendes und produktives Leben zu führen, aber der andauernde Krieg und seine Folgen wurden irgendwann unerträglich.

Da Deutschland Flüchtlinge aufnimmt und beschützt, hatte ich die Hoffnung, dort ein sicheres Leben zu führen und meinen Träumen nachzugehen.
Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Ressourcen Deutschland in die Flüchtlingshilfe steckt. Aber für mich persönlich lief es nicht so glatt: Mehr als zehn Monate habe ich auf ein Fortscheiten im Asylprozess gewartet und konnte bisher auch nicht an einem Integrationskurs teilnehmen. Ich bemühte mich sehr, wurde jedoch vertröstet. Während manch anderer mehr Glück hat und schneller eine Erlaubnis erhält, macht es mich traurig, dass sich lange nichts bewegte. Da ich aber keinesfalls untätig meine Zeit absitzen wollte, habe ich mich um Sprachkurse, Praktika und Studienmöglichkeiten bemüht und fand letztlich über eine Sozialberaterin des Jugendmigrationsdienstes in Berlin eine Praktikumsstelle bei den Wirtschaftsjunioren Deutschland e. V.

Während des Praktikums lernte ich viel über die deutsche Unternehmenskultur, verbesserte meine Sprachfähigkeiten und konnte viele tolle neue Bekanntschaften machen. Im Herbst werde ich voraussichtlich einen Job beginnen, der sich durch das Praktikum ergeben hat. Meine Kollegen halfen mir auch einen kostenlosen Deutsch-Sprachkurs zu finden, den ich nun mehrere Monate besuchen werde.
In den kommenden zwei Jahren möchte ich meine Deutschfähigkeiten ausbauen und einen Job im Marketing-Bereich finden, um nicht dauerhaft auf die Hilfe des Deutschen Staates angewiesen zu sein. Außerdem versuche ich mein Netzwerk mit Unternehmern auszubauen und die deutsche Kultur sowie Unternehmensmentalität noch besser zu verstehen. Mein Ziel ist es, mein eigenes Unternehmen in Deutschland aufzubauen und von Deutschland aus international zu expandieren.

Ich schätze die Unterstützung der Deutschen sehr und sehe mich in ihrer Schuld. Ich wünsche mir sehr, eines Tages den Deutschen etwas zurückgeben zu können. Erstmal kann ich aber nur warten und auf die Aufenthaltserlaubnis hoffen.

Autor: Beslan Kabartai, Originaltext auf Englisch