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Jugend stärken

Zehn Jugendliche


Mit individueller Unterstützung zum Bildungsabschluss (Quelle: 2. Chance Weimar)Mit individueller Unterstützung zum Bildungsabschluss (Quelle: 2. Chance Weimar)

„SCHULVERWEIGERUNG – DIE 2. CHANCE" – STADT WEIMAR

Rahmendaten

Zum Team der Koordinierungsstelle „2. Chance Stadt Weimar“ gehören zwei Sozialpädagoginnen und ein Diplom-Lehrer. Träger ist die gemeinnützige GmbH „Förderkreis JUL“. Das Team arbeitet an sieben Schulstandorten.

Ziele und Methoden

Die Koordinierungsstelle sieht sich als Partner für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Schule. Ausgehend von einem ganzheitlichen Bildungsverständnis fühlt sie sich fest der Institution Schule zugehörig; jede Schule hat ihren eigenen Ansprechpartner. Regelmäßige und individuell vereinbarte Sprechzeiten werden durch Fall- und Helferkonferenzen sowie externe Beschulung ergänzt.

In der Elternarbeit legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Koordinierungsstelle den Fokus auf die Mitwirkung der Erziehungsberechtigten und besuchen gemeinsam mit ihnen zum Beispiel Elternsprechstunden, um wieder eine positive Beziehung zur Schule herzustellen.

Das Team der Koordinierungsstelle wird durch Fortbildung, Coaching und eine kontinuierliche Evaluation seiner Arbeit unterstützt.

Fallbeispiel

Maria (Name geändert) besuchte die 7. Klasse der Realschule, als sie aufgrund massiver Fehlzeiten in das Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ aufgenommen wurde.

Maria hat drei Geschwister; ihre Mutter ist alleinerziehend. Beim Vergleich der Fehlzeiten Marias mit denen ihrer Geschwister wurde klar, dass sich die Kinder bei der Unterstützung ihrer Mutter abwechselten. Als sie darauf hingewiesen wurden, nahmen ihre Fehlzeiten sofort ab.

Trotzdem musste Maria die 7. Klasse wiederholen und ihre Kompetenzen reichten langfristig nicht für einen Realschulabschluss aus. Deshalb kam für sie die individuelle Abschlussphase (Praxisklasse) in Frage. Die Mutter lehnte diese Alternative anfangs strikt ab; nur gemeinsam konnten die an der Unterstützung der Familie Beteiligten die elterlichen Bedenken zerstreuen.

Maria besucht seitdem die Praxisklasse. Sie hat sich sehr positiv entwickelt, ihre Zensuren haben sich erheblich verbessert und sie fehlt nur noch, wenn sie krank ist. Im kommenden Schuljahr wird sie ihren qualifizierenden Hauptschulabschluss erreichen.

Teilnehmende der2. Chance auf Wikingerreise (Quelle: 2. Chance Hamburg-Mitte)Teilnehmende der 2. Chance auf Wikingerreise (Quelle: 2. Chance Hamburg-Mitte)

"SCHULVERWEIGERUNG - DIE 2. CHANCE" HAMBURG-MITTE

Rahmendaten

Die Koordinierungsstelle 2. Chance des Rauhen Hauses in Hamburg-Mitte kooperiert mit elf Schulen und bietet 32 Plätze für Schülerinnen und Schüler, die sich aktiv oder passiv der Schule verweigern. Das Team aus Sozial- und Sonderpädagoginnen und -pädagogen sowie Lehrkräften arbeitet in Billstedt und Mümmelmannsberg. Eine hohe Arbeitslosigkeit, ein großen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund und eine hohe Schulabbrecherquote kennzeichnen diese Hamburger Stadtteile.

Ziele und Methoden

 

Die Koordinierungsstelle arbeitet auf der Grundlage eines lebensweltlichen Ansatzes. Case Manager erstellen einen individuellen Bildungs- und Entwicklungsplan, der schulische, soziale und persönliche Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler aufeinander abstimmt. Die Planungen finden gemeinsam mit Kindern, Eltern, Lehrkräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialen Dienstes in vertrauten Projekträumen statt, wodurch Schwellenängste abgebaut und gegenseitiges Vertrauen gefördert wird.

Fallbeispiel

Ben (Name geändert) fiel seit der 5. Klasse durch vehemente Leistungsverweigerung, aktives Stören sowie häufige Konflikte mit Mitschülerinnen und -schüler sowie Lehrkräften auf. Als er 13 Jahre alt und Schüler der 7. Klasse einer integrierten Haupt- und Realschule war, konnte er durch schulsozialpädagogische Maßnahmen nicht mehr erreicht werden und wurde in das Projekt Die 2. Chance aufgenommen. Er besuchte ein schulersetzendes Angebot, wurde in den Kernfächern unterrichtet und nahm an gruppenpädagogischen Angeboten teil. Dort sammelte er positive Lernerfahrungen, erhielt Anerkennung und erwarb Konfliktlösungsstrategien.

Als sich sein Leistungs- und Gruppenverhalten stabilisiert hatte, begann eine stufenweise Reintegration in seine Ursprungsklasse. Leider schafften er und seine Klassenkameradinnen und -kameraden es nicht, dauerhaft alte Rollenmuster aufzubrechen. So kamen alle Beteiligten zu dem Entschluss, dass ein Neustart in Form eines Schulwechsels angebracht sei. Ben und seine Eltern entschieden sich außerdem für die Wiederholung der Klassenstufe. In der neuen Klasse wurde Ben offen aufgenommen und wird von der 2. Chance weiterhin schulbegleitend betreut. Im Fach Mathematik konnte er sogar die beste Leistung der Klasse erzielen. Seine Chancen, einen Schulabschluss zu erreichen, haben sich deutlich erhöht.