Kommunen tauschen sich zur Arbeit mit neuzugewanderten Frauen im Programm JUGEND STÄRKEN im Quartier in Dietzenbach aus

Teilnehmende tauschen sich im Workshop aus. Copyright: JUSTiQ/ Sarina Nathan

Am 03. April 2019 lud der Landkreis Offenbach zur ersten Themenwerkstatt der zweiten Förderrunde im Programm JUGEND STÄRKEN im Quartier ein. Thema der Werkstatt war die soziale und berufliche Integration von neuzugewanderten jungen Frauen und Mädchen. Rund 50 Mitarbeitende aus den Projekten nahmen an der Veranstaltung in Dietzenbach teil.

Zentrale Ergebnisse

Der Fachvortrag am Vormittag gab den Teilnehmenden einen Überblick über den aktuellen Wissensstand in Forschung und Praxis zur beruflichen und sozialen Integration von neuzugewanderten Frauen in Deutschland.

Am Nachmittag tauschten sich die Teilnehmenden in drei Workshops aus:
Im Workshop „Pädagogisches Arbeiten im Spannungsfeld von Familie, Kultur und Gesellschaft“ diskutierten die Teilnehmenden, wie es gelingen kann, die Individualität der neuzugewanderten Frauen in den Mittelpunkt der Beratungsarbeit zu stellen. Neugierde auf die Menschen und das Hinterfragen von Stereotypen und Zuschreibungen wurden als essentiell herausgearbeitet. Der Appell „die Schubladen offen zu lassen“ und die jungen Frauen nicht auf Basis ihrer Herkunft und Kultur zu kategorisieren, stieß auf viel Zustimmung.

Zum Thema der Zielgruppenerreichung stellten die Teilnehmenden fest, dass eine besonders enge Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort und eine niedrigschwellige Ansprache, z.B. offene Treffs mit Essen, Musik und Freizeitangeboten Gelingensfaktoren für die Arbeit sein können. Es ist wichtig, zusammen mit den jungen Frauen an den mitgebrachten Ressourcen und Kompetenzen zu arbeiten und nicht die Defizite in den Vordergrund zu stellen. Diese Wertigkeit unterstützt eine Kommunikation auf Augenhöhe und schafft den Rahmen auch für eine langfristige Zusammenarbeit in den sozialpädagogischen Angeboten.

Im Workshop zu Diskriminierungsdynamiken wurde festgestellt, dass neuzugewanderte junge Frauen und Mädchen Diskriminierung auf unterschiedlichen Ebenen erfahren können. Den Erfahrungen der Beraterinnen und Beratern zufolge, sind Benachteiligung auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt (strukturelle Diskriminierung), sowie eine Schlechterstellung in Schule und Ämtern (institutionelle Diskriminierung) alltäglich. Auch erfahren die Neuzuwanderinnen Ausgrenzung und Beleidigungen (interpersonelle Diskriminierung). Projektmitarbeitende berichteten aus der praktischen Arbeit von unkonventionellen Wegen, um Zugang zu den jungen Frauen zu erhalten und sie im Umgang mit Diskriminierungen zu stärken.

Das Programm JUGEND STÄRKEN im Quartier

Anfang des Jahres starteten 162 Kommunen in die zweite Förderrunde. In der aktuellen Förderrunde von 2019 bis Mitte 2022 erhalten 36 Standorte, die Angebote für neuzuwanderte Frauen entwickeln und umsetzen, einen Zuschuss aus Bundesmitteln. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend leistet damit einen wichtigen Beitrag zur zielgerichteten Förderung junger geflüchteter Frauen an der Schwelle ins Ausbildungs- und Berufsleben.