Neue Handreichung: Geflüchtete stärken! Anregungen für die Präventionsarbeit!

Geflüchtete stärken!

Geflüchtete stärken!

In öffentlichen Debatten spielt die Sorge über eine mögliche Radikalisierung von Geflüchteten eine wichtige Rolle. Die Anschläge von Ansbach, Würzburg, Berlin und Hamburg, die von Geflüchteten verübt wurden, haben diese Sorge weiter bestärkt. Zugleich zeigen aktuelle Zahlen der Sicherheitsbehörden, dass Geflüchtete im salafistischen Spektrum nur am Rande eine Rolle spielen. So finden sich unter den 850 Personen in Berlin, die dieser Szene vom Verfassungsschutz zugeordnet werden, nur 27, die in den vergangenen Jahren als Geflüchtete nach Deutschland kamen.

Trotzdem sind die Anfragen von Haupt- und Ehrenamtlichen, die mit Geflüchteten arbeiten, nach Ansätzen der Präventionarbeit in der letzten Zeit stark gestiegen – oft ohne dass es dabei um konkrete „Fälle“ ging, die Anlass zur Sorge gaben. In der Regel geht es bei den Anfragen um Hilfestellungen für die pädagogische Arbeit, um Jugendliche und junge Erwachsene im Vorfeld möglicher Radikalisierungen für salafistische Ansprachen zu sensibilisieren und sie in ihren Einstellungen und Orientierungen gegen religiös-extremistische Angebote zu stärken.

Diese Handreichung greift diese Nachfrage auf – möchte aber zugleich einem Alarmismus und einer Überbetonung des Präventionsgedankens in der Arbeit mit Geflüchteten entgegenwirken: Prävention von Radikalisierungen ist nicht das drängendste Thema, wenn es um die Beratung und Begleitung von Geflüchteten geht. Oft liegen die Probleme auf ganz anderen Ebenen (z. B. Rechtsunsicherheit, Wohnbedingungen, Perspektivlosigkeit) und verdienen ganz unabhängig von sicherheitspolitischen Überlegungen verstärkte Aufmerksamkeit in der pädagogischen Arbeit.

Dennoch gehören auch Geflüchtete zu den Zielgruppen salafistischer Ansprachen. Salafist_innen nutzen die oft schwierigen Lebensbedingungen sowie Orientierungs- und Perspektivlosigkeit, um für die salafistische Ideologie und Gemeinschaft zu werben. Mit ihren Angeboten füllen sie Lücken in der Versorgung, Unterstützung und Begleitung von Geflüchteten. Ohne Teilhabechancen, soziale Kontakte und Sicherheit sowie Bildungs- und Berufsperspektiven können ein Rückzug in abgeschlossene Gemeinschaften und rigide Glaubensvorstellungen attraktiv erscheinen. Prävention beschränkt sich daher nicht darauf, „Defizite“ einzelner Personen zu erkennen und abzubauen. Prävention bedeutet vor allem, bessere Angebote zu machen, damit extremistische Versprechungen unattraktiv bleiben.

Diese Handreichung gibt Anregungen für die universelle Präventionsarbeit, die im Vorfeld von möglichen Radikalisierungsprozessen ansetzt. Dabei geht es vor allem um Angebote der Jugend- und Sozialarbeit sowie der politischen Bildung. Unabhängig von sicherheitspolitischen Interessen sind diese Angebote Voraussetzung, um Geflüchteten ein Ankommen in der Gesellschaft, Selbstwirksamkeit und reale Teilhabe zu ermöglichen.

Sie können die Handreichung hier herunterladen oder für EUR 2,50 (Versandkostenpauschale für 1-5 Exemplar, Versandkosten für mehrere Exemplare auf Anfrage) unter  bestellung[at]ufuq.de bestellen.