Mit Kunst gegen Sorgen in der Corona Zeit

Im Mikroprojekt „Freies Malen“ treffen sich junge Frauen zum künstlerischen Schaffen

Einen solchen Ort bietet das Mikroprojekt Freies Malen bereits seit Sommer 2019. Einmal wöchentlich trifft sich dort eine Gruppe junger Frauen zwischen 16 und 21 Jahren, um sich dem kreativen Schaffen zu widmen. Je nach Interesse können die jungen Frauen, die aus Somalia, Syrien, dem Irak und Deutschland stammen, malen, nähen oder auch Marionetten gestalten. Die Kunstwerke orientieren sich dabei häufig an Werken aus den Herkunftsländern der jungen Frauen und sollen im Mai 2021 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Teilnehmerinnen sind froh, dass zumindest das Malen in der Coronazeit nicht ausfällt. „Das hilft, dass man diese Zeit auch psychisch einigermaßen durchsteht“, so Vivian.

Zwei Frauen gestalten an einem Tisch ihre Kunstwerke.
Mit Abstand und Alltagsmaske: Hayam und Eva arbeiten an ihren Kunstwerken. © Frauke Schümann

Im Mikroprojekt „Mit Abstand Kunst“ verarbeiten junge Menschen ihre Ängste und Sorgen

Seit Mai 2020 gibt es in Flensburg das Mikroprojekt „Mit Abstand Kunst - Mit Kunst aus der Krise“. Ziel war es, jungen Menschen eine Möglichkeit zu eröffnen, sich mit der Krise reflektierend auseinanderzusetzen. Den Initiatorinnen und Initiatoren war die Ernsthaftigkeit bei der Gestaltung wichtig, es sollten keine „Schmierflächen“ entstehen. Daher stellten die Jugendlichen zunächst ihre Entwürfe vor, wurden eingewiesen und beraten und begannen anschließend mit der Gestaltung. Inzwischen drücken 16 ganz unterschiedliche Motive in der Größe von 1,5 x 2 Metern die Hoffnungen und Ängste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus.  Ein besonders emotionales Bild stammt von dem 21-jährigen Syrer Ahmad.

Ein Kunstwerk, das zwei Flüchtlinge mit Blick auf zwei Soldaten zeigt und Hände die das Corona-Virus und den Krieg symbolisieren
Das Kunstwerk des 21-jährigen Ahmad aus Syrien © Bequa Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Flensburg mbH

Das Bild zeigt Ahmads Mutter und seinen Bruder, die inzwischen in einem Flüchtlingslager in der Türkei leben und ihren Blick auf zwei Soldaten richten. Über der Szene schweben zwei Hände, die symbolisieren sollen, wie sich das Corona-Virus und der blutige Krieg in Syrien die Hände schütteln.

Die große Leidenschaft des 17-jährigen Diego ist der monatliche Discobesuch im Jugendzentrum Sankt Johannis. Seit dem ersten Lockdown heißt es „Tanzen verboten!“ Diego fehlt der Discobesuch und die hier verbrachte Zeit mit seinen Freunden sehr. Dies lässt sein Bild unschwer erkennen.

Ein junger Mann präsentiert stolz sein Kunstwerk
Stolz präsentiert der 17-jährige Diego sein Kunstwerk © Bequa Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Flensburg mbH

Nach Abschluss der Aktionsphase hat ein Graffiti-Künstler die Freiflächen, Lücken und Ränder professionell gefüllt, um einen positiven Gesamteindruck zu schaffen. 

Und die Mühe lohnt sich – ab Januar 2021 sollen 12 Kunstwerke in einer Flensburger Einkaufspassage der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Über "JUGEND STÄRKEN im Quartier"

Mit "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündeln das Bundesjugendministerium und das Bundesinnenministerium erstmals Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) in einem gemeinsamen Programm. Der Bund beteiligt sich mit jährlich rund 24,8 Millionen Euro aus dem ESF und 1,1 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Dadurch wird die kommunale Jugendsozialarbeit vor Ort entscheidend gestärkt. Derzeit werden in 160 Kommunen Projekte umgesetzt.