Mit viel Energie und Zielstrebigkeit zum Ausbildungsplatz

Zwei junge Frauen sitzen an einem Tisch
Christina Ridinger mit ihrer Beraterin aus dem JUGEND STÄRKEN im Quartier-Projekt in Speyer © Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (VFBB e.V.)

Sprachkenntnisse als Basis für den Berufseinstieg

In Speyer angekommen, geht Christina zunächst ohne Deutschkenntnisse in die Schule. Sie erkennt schnell, dass sie nur in einem Sprachkurs richtig Deutsch lernen kann. Deutsch ist bereits Christinas fünfte Sprache. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, spricht fließend Russisch und Rumänisch und beherrscht Englisch und Französisch aus der Schule. „Ich lerne gerne Sprachen, das macht mir Spaß und fällt mir leicht“, erklärt Christina. Beim Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (VFBB e.V.) kann Christina aufgrund erster Deutschkenntnisse dann gleich in den B1-Kurs einsteigen und schließt im Frühjahr 2020 den B2-Kurs mit „sehr gut“ ab.

Eine berufliche Perspektive entwickeln und verfolgen

Ihr guter Mittlerer Schulabschluss aus Moldawien wird anerkannt, so dass Christina sich parallel auf den Berufseinstieg vorbereiten kann. Beim VFBB e.V. werden dafür alle Sprachkurs-Teilnehmende auf Projekte zur Berufsorientierung hingewiesen.
Auf diesem Weg kommt Christina Anfang November 2019 ins Speyerer Job-lokal, ein weiteres Projekt des VFBB e.V. und Teil des „JUGEND STÄRKEN im Quartier“-Vorhabens in Speyer. Hier unterstützt sie Katharina Bentz-Hellmann. Sie berichtet: „Christina kam schon mit der konkreten Vorstellung, im Büro arbeiten zu wollen, idealerweise als Büro- oder Immobilienkauffrau. Sie brachte einen handschriftlichen Lebenslauf mit, sodass wir die Bewerbungsunterlagen direkt erstellen und an 17 Betriebe senden konnten.“
„In Moldawien habe ich ein Praktikum in einer Bibliothek gemacht und gemerkt, dass ich gerne mit Menschen zu tun habe, zum Beispiel in der Beratung“, begründet Christina ihre Berufswahl. Ihr Berufswunsch hat sich dann immer mehr zur Immobilienkauffrau hin entwickelt. Diese Branche hat Zukunft und die Spezialisierung findet sie sehr gut – um später auch für sich selbst eine Wohnung finden zu können. „Als gelernte Immobilienkauffrau kann ich später sicher auch als Bürokauffrau arbeiten, umgekehrt geht das vielleicht nicht“, erklärt sie dazu.
Christina wird zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen, auf die sie sich mit Hilfe von Frau Bentz-Hellmann vorbereitet. Ende November 2019 hat Christina einen Vorstellungstermin bei einem Mannheimer Immobilienbüro. Dort kann sie durch ihre guten Deutschkenntnisse überzeugen. Man vereinbart einen ‚Probearbeitstag‘. Bei diesem soll Christina einen Brief tippen. Da sie diesen Brief fehlerfrei schreibt, sagt ihr der Chef den Ausbildungsplatz sofort zu. „Ich wusste, dass ich das kann. Im Deutschkurs haben wir viel geübt, wie man Briefe schreibt“, erzählt Christina. Ihre Entscheidung für die Ausbildung in Mannheim steht fest, am 01. August geht es los. Das Immobilienbüro will ihr sogar bei der Wohnungssuche in Mannheim helfen.

Für viele Migranten und Flüchtlinge ist es ein langer Weg in den Beruf

Der Weg vieler junger Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund zu einem Ausbildungsplatz dauert meist länger als bei Christina. Das VFBB-Team schafft deshalb frühestmöglich „Integrationsketten“ und zeigt Perspektiven auf, damit Migranten und Flüchtlinge möglichst lückenlos in eine Ausbildung in Deutschland münden können.
„Christina hat sehr zielstrebig an Ihrem Berufseinstieg gearbeitet. Bereits nach vier Terminen war die gesamte Bewerbungsbetreuung abgeschlossen, das ist selten“, weiß Bentz-Hellmann. Und Christina ergänzt: Das klingt alles sehr einfach, aber es ist nicht leicht. Im Deutschkurs muss man zum Beispiel sehr, sehr viel lernen. Aber ich lerne gerne.“ Pläne hat Christina auch für die Zeit nach ihrer Ausbildung: Sie will Immobilienmanagement studieren.

Über "JUGEND STÄRKEN im Quartier"

Mit "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündeln das Bundesjugendministerium und das Bundesinnenministerium erstmals Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) in einem gemeinsamen Programm. Der Bund beteiligt sich mit jährlich rund 24,8 Millionen Euro aus dem ESF und 1,1 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Dadurch wird die kommunale Jugendsozialarbeit vor Ort entscheidend gestärkt. Derzeit werden in 161 Kommunen Projekte umgesetzt.