Jugendmigrationsdienst Altenkirchen im Westerwald

Ahmad Khadija aus Syrien (Quelle: JMD Altenkirchen im Westerwald)

Rahmendaten

Es kann schon mal ganz schön hektisch werden im Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Altenkirchen, denn das Ein-Frau-Büro betreut gleich den gesamten Kreis im Westerwald. Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund finden in der Sozialpädagogin Stephanie Lörsch eine hilfreiche Beraterin mit langjähriger Erfahrung in der Migrationsarbeit. Sie ist für die Begleitung junger Zugewanderter ein Dreh- und Angelpunkt im Kreis, denn „der Jugendmigrationsdienst Altenkirchen versteht sich als ein Fachdienst mit Schnittstellenkompetenz: Er verbindet in seiner Arbeit das Thema Jugendhilfe mit den Themen Migration und Integration“. Und damit bringt sie gleich die Vielfalt der JMD-Aufgaben in den Fokus, die sie als „Lebens- und Laufbahnberatung“ bezeichnet.  

Ziele und Methoden

Im JMD Altenkirchen stehen insbesondere individuelle Hilfen im Mittelpunkt. Gerade das Casemanagement liegt Stephanie Lörsch sehr am Herzen. In individueller Begleitung führt die Sozialpädagogin die jungen Menschen über den schwierigen Grat, den der Übergang Schule-Beruf darstellt. „Mir ist wichtig, dass jede und jeder in den Sprachkurs und in die Schule kommt, die zu ihr oder ihm individuell passt“, sagt die engagierte Geschäftstellenleiterin. Neben der Vorbereitung auf den passenden Beruf gilt es auch, die jungen Menschen in finanziellen Fragen zu beraten, sie bei Schwierigkeiten mit Behörden zu unterstützen oder ihnen beim Ausfüllen von Dokumenten und Formularen zu helfen.

Gleichzeitig muss die JMD-Beraterin zugeben: „Wir haben viele Ziele, aber nur begrenzte Möglichkeiten, sie mit eigenen Maßnahmen umzusetzen.“ Daher erweist es sich als besonders hilfreich, dass Lörsch in der Stadt vorzüglich vernetzt ist und so die betreuten Jugendlichen in verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen vermitteln kann: Sprachkurse, Bewerbungstrainings und andere Aktivitäten, die durch kooperierende Sozialeinrichtungen übernommen werden können, mit denen der JMD Altenkirchen in engem Kontakt steht.
Ein weiterer wichtiger Kooperationspartner des JMD sind die Wirtschaftsjunioren Sieg-Westerwald. In Zusammenarbeit unterstützen sie junge Menschen bei der Ausbildungssuche, bei Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen. Gemeinsam initiieren sie eine Berufsmesse, auf der sich die Jugendlichen über Ausbildungsplätze im Kreis informieren können. Die Netzwerkarbeit von Stephanie Lörsch trägt Früchte: Sie hat schon an viele Firmen junge Migrantinnen und Migranten als Praktikanten oder gar als Auszubildende vermittelt. Sie ist zuversichtlich, dass ihr das auch weiterhin gelingen wird.

Fallbeispiele

Ahmad Khadija ist mit seinen 20 Jahren endlich „angekommen“. Mit 16 ist er gemeinsam mit seinen Geschwistern aus Syrien geflohen. Vier Jahre lebte er im Libanon, wo er unter anderem als Konditorgehilfe jobben konnte. Dann gelang den Brüdern die Weiterfahrt nach Italien, von dort nach Deutschland. Seit vier Monaten lebt Ahmad jetzt in Altenkirchen, er hat eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre und nimmt seit seiner Ankunft im Westerwald regelmäßig an der JMD-Beratung und an einem Sprachkurs teil.
Der höfliche, aufgeweckte und „möglichst immer fröhliche“ junge Mann strahlt Ruhe und Zuversicht aus. „Ich will mir hier eine Zukunft aufbauen und in Frieden leben“, sagt er entschlossen und lernt hierfür eifrig die deutsche Sprache. Außerdem möchte er eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren. Mithilfe des JMD und der Wirtschaftsjunioren will er diesen Wunsch wahrmachen.

Um Jugendlichen Zugang zu Ausbildungsplätzen zu ermöglichen hat der JMD Altenkirchen gemeinsam mit den Wirtschaftsjunioren, der IHK und der Kreisverwaltung eine Jugendberufsmesse organisiert. Auch Ahmad und weitere Jugendliche nahmen an dieser Messe teil, um mit Unternehmen in Kontakt zu treten und sich über mögliche Berufschancen zu informieren. Zur Vorbereitung erstellten sie gemeinsam mit dem JMD ihre Lebensläufe und Bewerbungsunterlagen. In Begleitung durch Stephanie Lörsch und den Wirtschaftsjunioren erkundigten sie sich auf der Messe über mögliche Ausbildungsplätze und Tipps zu Bewerbungen.

„Wir sehen es durchaus als eine unserer Aufgaben an, auch solche Aktionen zu unterstützen“, sagt Daniel Geldsetzer, Jungunternehmer und Mitglied der Wirtschaftsjunioren. „Integration bekommen wir nicht nur mit Geld oder Sachleistungen hin. Das klappt am besten über Sprache und Arbeit. Wir als Wirtschaftsjunioren können da als Türöffner helfen.“
Dies nutzt Ahmad fleißig und informiert sich, stellt Fragen zu Bewerbungen und möglichen Praktikumsstellen. Doch noch ist er in den Sprachkursen vollauf beschäftigt. Aber schon jetzt ist abzusehen, dass seine Kenntnisse bald ausreichend sind, um mit den ersten Praktika zu beginnen. Die Aussicht darauf, seine Zukunft zu gestalten und in einem Land in Frieden arbeiten zu können, macht ihn glücklich.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.jmd.de