Hochbetrieb im Herzen von Attendorn

Im Jugendmigrationsdienst Olpe finden junge Zugewanderte wie Morteza, Daniel und Abraham Rat und Anschluss (v.l., mit JMD-Mitarbeiterin Angelika Link).

Ordnung in die Unterlagen bringen, helfen einen passenden Beruf zu finden oder bei amtlichen Schreiben unterstützen – all das ist Alltag beim Jugendmigrationsdienst Olpe im Sauerland.

Eine junge Frau sitzt konzentriert in einer roten Sitzecke. Sie bereitet sich auf ihre morgige Deutschprüfung vor. In der zweiten Sitzecke wartet ein junges Paar aus Eritrea. Ihre EC-Karte funktioniert nicht mehr. Deutsch sprechen sie kaum – nur Tigrinisch. Daneben steht ein junger Mann, der gerne einen ersten Termin für eine Beratung ausmachen möchte. Und mittendrin Angelika Link, die auf einen Rückruf wartet. Alltag beim Jugendmigrationsdienst (JMD) Olpe des Internationalen Bundes in Attendorn.

Link ist die einzige Mitarbeiterin des JMD im Kreis Olpe und gewohnt, spontan auf Dinge zu reagieren. Heute wendet sie sich an ihr Netzwerk und ruft Katrin Luers vom Amt für Soziales, Jugend, Familien und Senioren der Stadt Attendorn hinzu. „Ich habe mich gut vernetzt“, erklärt Angelika Link. „Anders ist das gar nicht machbar.“ Kurze Zeit später ist die Mitarbeiterin des Sozialamts da. „Bei der Arbeit mit Geflüchteten ist es wichtig, dass man spontan ist. Sonst klappt es nicht“, sagt sie und macht sich mit dem jungen Paar auf den Weg zur Sparkasse.

Vom Deutschkurs bis zum Masterstudium

Der Schwerpunkt des JMD Olpe liegt auf der persönlichen Beratung. So wie bei den Brüdern Abraham und Tesfalem. Beide stammen aus Eritrea, sind über den Sudan, Libyen und Italien nach Deutschland gekommen. Abraham hatte sich ein Jahr früher auf den Weg gemacht und ist bereits seit einem Jahr und fünf Monaten in Deutschland, sein jüngerer Bruder erst seit knapp einem Jahr. Drei Jahre waren die Brüder getrennt, bis sie sich am 17. Januar 2018 wiedergesehen haben. Ihre Eltern sind noch in Eritrea, ihre fünf weiteren Brüder in andere Länder geflohen aus einem Land, dem die Vereinten Nationen schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen attestiert haben. Der Wehrdienst, den in Eritrea jeder Mann ab 18 leisten muss, kann ein ganzes Jahrzehnt dauern.

Beide jungen Männer bekommen Unterstützung von Angelika Link, wenn es etwa um Behördengänge geht oder ein Integrationskurs ausgesucht werden muss. Dank ihr haben sie auch schon eine Vorstellung, wie es nach dem Ende der Kurse weitergehen soll. Während Abraham gerne Maler werden würde, möchte Tesfalem eine Ausbildung als Maurer beginnen.

Auf einige Erfolge zurückblicken kann Ahmad. Als der Syrer vor drei Jahren auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland kam, war Angelika Link eine seiner ersten Ansprechpartnerinnen. Ahmad hatte in Syrien Elektrotechnik studiert und dieses Studium mit einem Bachelor abgeschlossen. Bei der Anerkennung dieses Bachelors in Deutschland hat ihn Link genauso unterstützt wie bei der Suche nach dem besten Weg in den Arbeitsmarkt. „Der Bachelor ist jetzt anerkannt und ich habe bereits eine Qualifizierungsmaßnahme bei einem Automobilzulieferer gemacht“, berichtet Ahmad. Aktuell befindet er sich in einem Vorbereitungskurs für ein Masterstudium.

Viele Wege führen zum JMD

Der Jugendmigrationsdienst ist zentral gelegen, nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt, mitten in der Einkaufsstraße von Attendorn. Die hellen und freundlichen Räume teilt er sich mit einem Jugendcafé, das in den Abendstunden öffnet. Die jungen Migrantinnen und Migranten finden auf unterschiedlichen Wegen hierher. Viele erfahren durch Geflüchtete, die schon länger vor Ort sind, von der Anlaufstelle. Anderen wird sie von Jobcentern oder Integrationskursträgern empfohlen. Manche lernen Angelika Link in der Schule kennen, wenn sie dort ihre Arbeit vorstellt.

Die Pädagogin erinnert sich gerne an die jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die sie bereits beraten hat – denen sie geholfen hat, ein Studium aufzunehmen, ein Stipendium zu bekommen oder den richtigen Beruf für sich zu finden. „Zu erleben, dass die Menschen etwas für uns so Alltägliches wie Sicherheit und Frieden so hochschätzen, lässt einen auch anders auf das eigene Leben blicken. Die Dankbarkeit der jungen Menschen zeigt mir, wie sinnvoll meine Arbeit ist.“

Mehr über die Jugendmigrationsdienste finden Sie hier

Zum JMD Olpe: www.jugendmigrationsdienste.de

Text und Bild: Servicebüro Jugendmigrationsdienste