Warum Gruppenausflüge mehr sind als nur Spaß / Auf Erkundungstour in Berlin

Fröhlich, bunt und selbstbewusst: die Mädchengruppe vom JMD Barnim-Oberhavel besucht Berlin.

Fröhlich, bunt und selbstbewusst: die Mädchengruppe vom JMD Barnim-Oberhavel besucht Berlin.

Vierzehn Mädchen albern vor dem Fernsehturm herum, lachen, schubsen sich, lehnen sich an. Sie sind ausgelassen und ein bisschen aufgeregt. Die Gruppe wirkt so gemischt wie eine Schulklasse, aufgedreht wie es sich bei einem Klassenausflug gehört. Aber es ist kein Klassenausflug.

Die  Mädchen, die an einem Samstag einen Ausflug ins Aquarium Berlin machen, gehören zur Mädchengruppe des Jugendmigrationsdienstes Barnim-Oberhavel. Seit wenigen Jahren leben die jungen Frauen in Deutschland, aufgewachsen sind sie in Syrien oder in Russland. Der Ausflug nach Berlin ist einer der Momente, in denen sie nicht über die Probleme und Sorgen nachdenken, die ihre Lebenssituation mit sich bringt. Heute geht es nicht um Papiere, Familiennachzug, Übersetzungen, Sprachkurse, Statusanerkennung, Krieg und Flucht. Heute geht es nur um ihren Ausflug nach Berlin und um sie.

Mehr als Spaß

„Normalerweise kommen die jungen Frauen zu mir, wenn sie Hilfe brauchen. Das sind meist sehr ernste Gespräche“, erzählt JMD-Beraterin Irina Nekrasow, die das Gruppenangebot betreut. „So ausgelassen und fröhlich wie hier, erlebe ich sie sonst nie. Bei den Ausflügen haben wir unheimlich viel Spaß zusammen. Da ist die Gruppe manchmal richtig albern.“ Wenn die Mädchen und jungen Frauen sich gemeinsam auf den Weg machen um ihre neue Heimat zu erkunden, geht es trotzdem um viel mehr als nur um Spaß. Manche von ihnen würden sich nicht trauen, alleine etwas Neues auszuprobieren. Weil sie selbst unsicher sind, die Sprache und die Orientierung im neuen Land noch lernen oder weil Familie, Tradition und kulturelle Identität Alleingänge im Unbekannten nicht zulassen würden.

Auf Erkundungstour

Heute bewegen sich die jungen Frauen mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit in ihrer neuen Umgebung als zu Beginn ihrer Treffen. Einige der jungen Frauen haben ihre jüngeren Schwestern mitgebracht, zwischen 15 und 27 sind die Reisenden. Alle passen aufeinander auf. Auch wenn sie nach dem Besuch des Aquariums noch in kleinen Gruppen durch die Stadt ziehen und sich danach auf den Rückweg machen. „Wir sind einfach noch ein bisschen rumgelaufen, haben uns die Leute und die Künstler auf dem Alexanderplatz angeschaut und ein bisschen gequatscht“, erzählt Shiren nach dem Ausflug. Beim „bisschen quatschen“ haben sich die Freundinnen über eine neue Ausbildungsstelle in einer Druckerei unterhalten. Vielleicht, so dachte Shirin danach, ist das ja auch etwas für sie. Genau darum geht es bei den gemeinsamen Reisen: In der neuen Umgebung kommen die Mädchen mal dazu, sich entspannt auszutauschen. Wenn dann ganz nebenbei mehr Selbstsicherheit, Orientierung und vielleicht sogar ein Berufswunsch herauskommt, hat sich der Ausflug mehr als gelohnt.

Informationen zum  JMD Barnim-Oberhavel unter:  www.jugendmigrationsdienste.de