Digitaler Fachtag für Respekt Coaches zu Antisemitismus-Prävention

Eine junge Frau sitzt vor einem Laptop.
Beim digitalen Fachtag beschäftigten sich über 180 Respekt Coaches mit dem neuen Programm-Schwerpunkt.© Servicebüro Jugendmigrationsdienste

Die aktuellen Krisen in Europa und weltweit, insbesondere die Terrorangriffe der Hamas am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Krieg in Gaza, zeigen, dass das Bundesprogramm Respekt Coaches und damit die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte im Bereich der primärpräventiven Extremismus- und Radikalisierungsprävention an Schulen stärker gebraucht wird als je zuvor.

Neuer Themenschwerpunkt im Jahr 2024

Auf Grundlage dieser Entwicklungen ist das Programm im Jahr 2024 noch stärker auf den Schwerpunkt Antisemitismus-Prävention ausgerichtet. Die Respekt Coaches sind nicht nur vermehrt zu diesem Thema an den Schulen tätig, auch im Rahmen der fortbildenden Workshops der trägerübergreifenden Fachstelle wird der Themenkomplex das gesamte Jahr über im Fokus stehen.

Den Auftakt dazu bildete im Februar ein digitaler Fachtag unter dem Titel „Antisemitismus im Kontext des Nahostkonflikts – Grundlagen und Methoden für pädagogisches Handeln an Schulen“. Die Veranstaltung widmete sich demnach sowohl thematischen Grundlagen als auch der Einordnung der derzeitigen Geschehnisse in Israel und Palästina. Auch der zeitgleiche Anstieg von antimuslimischem Rassismus in Deutschland wurde in dem Kontext diskutiert.

Differenziertes Fachgespräch: Nahostkonflikt und pädagogischer Umgang

Nach einer Begrüßung durch das BMFSFJ wurde die Veranstaltung durch ein Fachgespräch zwischen Dr. Türkân Kanbıçak, Erziehungswissenschaftlerin mit antisemitismus- und rassismuskritischem Schwerpunkt, und Dr. Eva Lezzi, Dozentin und Autorin und für jüdische Kultur- und Bildungsthemen, eröffnet. Im Gespräch beleuchteten die Referentinnen den Nahostkonflikt aus verschiedenen Perspektiven und näherten sich einem pädagogischen Umgang für den Schulalltag. So standen auch praktische Fragen im Mittelpunkt: Wie gehen die Respekt Coaches an Schulen mit den Themen um, die sich für Schüler*innen aus dem Nahostkonflikt und dem Krieg in Israel ergeben und wie können sie auf Schüler*innen und die zum Teil stark geäußerten Emotionen reagieren? Was können Gelingenskriterien für den Umgang mit den zahlreichen Widersprüchen in der pädagogischen Arbeit sein?

Kanbıçak und Lezzi boten hierfür praxisbasierte Erkenntnisse und Vorschläge sowohl aus ihrer diversitätssensiblen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als auch aus ihren persönlich-biographischen Erfahrungen als Jüdin und Muslima. Dabei gelang es ihnen, die Perspektivenvielfalt des komplexen Themas differenziert wiederzugeben und der Sachlage interdisziplinär und authentisch zu begegnen. Die Respekt Coaches lobten das Fachgespräch und hoben die Kompetenz der Referentinnen hervor sowie den „Anspruch der ganzheitlichen Betrachtung“.

Handlungssicher werden durch neun interaktive Workshops

Im Anschluss setzten sich die Teilnehmenden in neun Workshops mit praktischen Zugängen zum Thema auseinander. Im Fokus standen die Vermittlung erprobter Methoden gegen antisemitische Äußerungen, die Umsetzung eigener Gruppenangebote sowie der Austausch zu Fallbeispielen. Ziel der Workshops war es, mehr Handlungssicherheit und -kompetenz für den Dialog mit Schüler*innen zu bekommen.

Ein Teilnehmer berichtete davon, dass das Thema bei den jungen Menschen durch viele und starke Emotionen geprägt sei. Aufklärung allein würde daher nicht ausreichen, dem Thema umfassend zu begegnen. Auch die langfristige pädagogische Arbeit und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Schüler*innen seien enorm wichtig. Im Workshop „Umgang mit Emotionen im Arbeiten zum Israel-Palästina-Konflikt“, der von Referierenden des Projekts „Zusammen_denken, zusammen handeln“ des Vereins BildungsBausteine e. V. geleitet wurde, konnten die Respekt Coaches Methoden kennenlernen, die sich in dem Kontext bereits bewährt haben.

Im Workshop „Brücken bauen in polarisierten Zeiten: Ein Dialog über Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und den Nahostkonflikt“ von Kubus e. V. diskutierten die Teilnehmenden unterschiedliche Perspektiven und Narrative in Deutschland bezüglich des Konflikts. Zudem wurden ihnen Handlungsmöglichkeiten für Gespräche in herausfordernden Zeiten vermittelt.

Prävention an Schulen zentrale Aufgabe

Mit der Eskalation der Lage im Nahen Osten sehen sich junge Menschen im Schulalltag mit verschiedenen Erscheinungsformen von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus konfrontiert. Dies äußert sich in Form von Vorurteilen, Diskriminierung oder sogar Gewalt. Hier ist die Arbeit der Respekt Coaches zentral, um Antisemitismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit den Nährboden zu entziehen, Empathie unter den Schüler*innen zu fördern und sie zu ermutigen, sich aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. Dies stärkt den Zusammenhalt in der Schulgemeinschaft und trägt zu langfristigen Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensweisen bei.

Entscheidend ist es, eine respektvolle und wertschätzende Haltung auch bei konfliktbehafteten Themen einzunehmen und sensibel mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Diesen Ansatz vertreten die Fachkräfte in dem JMD-Programm seit Beginn ihrer Arbeit. Durch den neuen inhaltlichen Schwerpunkt und den dafür veranstalteten Fachtag können sie nun mit noch geschulterem Blick Präventionsarbeit in den Schulen leisten.

Ein Beitrag von: Fachstelle JMD Respekt Coaches / Servicebüro Jugendmigrationsdienste