Von der Migration zur Inspiration: Wie ein vielfältiges JMD-Team Wege ebnet

Zwei Männer sitzen an einem Tisch.
JMD-Leiter Senad Azemovic (l.) im Gespräch mit Milad Nojaran aus dem Iran: „Die Jugendlichen behalten den Lenker in der Hand. Wir zeigen Wege auf, damit sie nicht vom Rad fallen.“ © Servicebüro Jugendmigrationsdienste

Seit Senad Azemovic 2002 aus Serbien nach Deutschland kam, hat sich in seinem Leben viel verändert. Vom Sprachkursteilnehmer zum Leiter des JMD Rothenburg: Seine Geschichte zeigt, wie wertvoll eigene Migrationserfahrung in der Beratungsarbeit sein kann.

Ein sonniger Nachmittag in Ansbach. Der 25-jährige Milad Nojaran aus dem Iran sitzt im Büro des JMD. Er hat eine Zusage für eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, aber er hat keine Arbeitserlaubnis – und trotzdem schon dort gearbeitet. Senad Azemovic kennt solche Situationen gut. „Viele kommen wegen einem speziellen Problem zu uns und dann stellen wir in der Beratung fest, dass es da noch mehr Dinge gibt, bei denen die Jugendlichen unsere Unterstützung brauchen“, erklärt er. „Milad war gar nicht bewusst, dass er eine Arbeitserlaubnis braucht." Jetzt kämpft er für die Erlaubnis, endlich die Ausbildung richtig anzufangen.

Eigene Migrationserfahrung schafft Vertrauen

Als Senad Azemovic vor 23 Jahren nach Deutschland kam, gab es kaum Organisationen, die bei der Integration unterstützten oder Sprachkurse für Migrant*innen anboten. Heute leitet Azemovic den JMD Rothenburg und betreut mit seinem Team junge Menschen aus Stadt und Landkreis Ansbach sowie dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Das Beratungsgebiet ist groß und ländlich, die Wege sind weit. „Wir sind viel unterwegs, weil die Anbindung für die Jugendlichen mit Bus und Bahn schlecht ist“, erzählt er.

Zum Team gehört auch Liudmyla Flämig. Sie kam 2010 für einen Sprachkurs aus der Ukraine nach Deutschland, studierte Sozialpädagogik und entschied sich, zu bleiben und im Migrationsbereich zu arbeiten. „Ich hatte Glück beim Ankommen“, sagt sie. „Bei vielen anderen ist das nicht so einfach. Ich stecke meine Seele in diese Arbeit.“ Beide wissen, dass ihre eigene Migrationserfahrung in der Beratung Vertrauen schafft. 

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch.
JMD-Beraterin Liudmyla Flämig: „Ich stecke meine Seele in diese Arbeit.“ © Servicebüro Jugendmigrationsdienste

Begleitung auf Augenhöhe

Im JMD Rothenburg geht es nicht nur um Formulare und Anträge. Es geht um Orientierung, Motivation und Begleitung. „Wir sind keine Behörde, sondern Partner auf Augenhöhe“, sagt Senad Azemovic. „Die Jugendlichen behalten den Lenker in der Hand. Wir zeigen Wege auf, damit sie nicht vom Rad fallen.“

Das Team hilft bei Aufenthaltsfragen, Ausbildungsduldungen, Wohnungssuche oder Familienzusammenführung. Auch kleine Fortschritte zählen. „Wenn jemand nach vielen Absagen endlich einen Praktikumsplatz bekommt, ist das schon ein Erfolg“, sagt Liudmyla Flämig.

Senad Azemovic freut sich besonders über jede Einbürgerung. Seit 2025 hat auch er einen deutschen Pass. „Eine Ausbildung ist der beste Weg, den Aufenthalt zu sichern. Danach folgen Niederlassung und Einbürgerung.“ Viele Betriebe schätzten die Motivation der jungen Menschen. „Das Vorurteil, dass Migranten nicht arbeiten wollen, stimmt einfach nicht.“

Digitale und persönliche Beratung – und vieles mehr

Neben der individuellen Beratung organisiert das Team Workshops zu Demokratie und Diskriminierung sowie gemeinsame Feste. Seit Oktober 2024 ist der JMD Rothenburg Teil des bundesweiten Modellprojekts JMD digital-hub. Projektmitarbeiterin Johanna Memhardt erklärt: „Gerade im ländlichen Raum ist digitale Beratung wichtig, um lange Wege zu überbrücken.“ Über die Plattform jmd4you können Jugendliche sicher und anonym per Mail, Chat oder Telefon Kontakt aufnehmen.

Eines der Projektziele von JMD digital-hub ist es, digitale und analoge JMD-Arbeit noch besser miteinander zu verknüpfen und fließende Übergänge zwischen den Angeboten zu schaffen. Das Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) kofinanziert.

Ein Schreibtisch mit einem Laptop und eine Frau die ein Handy in der Hand hält.
Digitale und analoge Angebote verknüpfen: ein Ziel des Modellprojekts JMD digital-hub, an dem Johanna Memhardt mitarbeitet. © Servicebüro Jugendmigrationsdienste

Das gemeinsame Leben besser gestalten

Trotz herausfordernder Zeiten bleibt die Motivation im Team groß. Dabei hilft ihnen auch, dass einige von ihnen aus eigener Erfahrung wissen, wie es sich anfühlt, neu anzufangen. Das Verständnis schaffe Vertrauen. „Wir wollen das Leben miteinander besser gestalten“, sagt Senad Azemovic.

Text: Servicebüro Jugendmigrationsdienste